Eichhagen und Stade am Biggesee – Eine kurze Ortschronik
Die heutigen Ortsteile Eichhagen und Stade der Stadt Olpe liegen am Westufer des Biggesee und gehören zu den Orten im südlichen Sauerland, deren Geschichte eng mit der Landschaft des ehemaligen Biggetals und dem Bau der Talsperre verbunden ist. Ihre Entwicklung lässt sich über mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen.
Die älteste bekannte Erwähnung betrifft den Ort Stade, der im Jahr 1445 erstmals urkundlich genannt wird. Der Name wird häufig mit dem Wort „Gestade“ in Verbindung gebracht und weist damit auf eine Lage am Ufer oder Hangbereich des Biggetals hin. Eichhagen erscheint etwas später in den Quellen und wird 1500 erstmals schriftlich erwähnt. Beide Orte waren über Jahrhunderte kleine bäuerliche Siedlungen, deren Bewohner vor allem von Landwirtschaft, Viehhaltung und Waldwirtschaft lebten. Die Höfe lagen im fruchtbaren Tal der Bigge, das damals eine typische Kulturlandschaft des Sauerlandes bildete.
Über viele Generationen blieb die Struktur der Orte weitgehend unverändert. Das Leben war geprägt von der engen Bindung an die umliegende Landschaft, an kirchliche Strukturen und an die wirtschaftlichen Möglichkeiten des ländlichen Raums. Ein bedeutendes Zeugnis dieser Zeit ist die Kapelle in Eichhagen, deren Ursprünge auf das frühe 19. Jahrhundert zurückgehen und die lange ein Mittelpunkt des religiösen Lebens für die Dorfbewohner war.
Ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte beider Orte ereignete sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit dem Bau der Biggetalsperre. Zwischen 1956 und 1965 entstand eines der größten Wasserbauprojekte in Nordrhein-Westfalen. Die Talsperre sollte vor allem der Trinkwasserversorgung des Ruhrgebiets, dem Hochwasserschutz und der Energiegewinnung dienen. Mit dem Bau der Staumauer veränderte sich jedoch das gesamte Biggetal grundlegend: Zahlreiche Orte, Höfe und Verkehrswege mussten aufgegeben werden, weil sie im künftigen Stauraum lagen. Mehr als zweitausend Menschen verloren ihre Heimat und wurden in neu geplante Siedlungen umgesiedelt.
Auch für Eichhagen und Stade bedeutete diese Entwicklung eine tiefgreifende Veränderung. Teile der ursprünglichen Siedlungsbereiche mussten aufgegeben werden, während gleichzeitig neue Wohngebiete oberhalb des entstehenden Sees entstanden. In den frühen 1960er Jahren wurde die heutige Siedlungsstruktur aufgebaut, die sich an den Hängen über dem späteren Biggesee entwickelte. Nach dem Einstau des Sees im Jahr 1965 lag die neue Ortslage plötzlich in unmittelbarer Ufernähe – aus einem Talraum war eine Seenlandschaft geworden.
Mit dem entstehenden See wandelte sich auch die Bedeutung der Region. Der Biggesee entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Naherholungsgebiet im Sauerland. Tourismus, Wassersport und Freizeitnutzung prägten zunehmend die Umgebung. Eichhagen und Stade profitierten von dieser Entwicklung und wurden attraktive Wohnorte mit besonderer landschaftlicher Lage.
Ein weiterer wichtiger Schritt für Eichhagen erfolgte 1975 mit der Ansiedlung eines Standortes des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland (CJD). Das Bildungs- und Ausbildungszentrum entwickelte sich zu einem bedeutenden Arbeitgeber und prägte die soziale und wirtschaftliche Struktur des Ortsteils nachhaltig.
Heute sind Eichhagen und Stade ruhige, naturnah gelegene Ortsteile der Stadt Olpe. Ihre Geschichte verbindet die jahrhundertealte bäuerliche Tradition des Biggetals mit den tiefgreifenden Veränderungen des 20. Jahrhunderts.
Eichhagen hat ca. 350, Stade ca. 40 Einwohner.
Die Entstehung des Biggesees hat die Landschaft und das Leben der Menschen dauerhaft verändert – aus dem einstigen Talraum wurde eine der bekanntesten Seenlandschaften des südlichen Sauerlandes, an deren Ufer Eichhagen und Stade heute liegen.